{"id":157,"date":"2025-12-12T05:42:37","date_gmt":"2025-12-12T05:42:37","guid":{"rendered":"https:\/\/horst-woick-archiv.de\/?p=157"},"modified":"2025-12-12T05:42:39","modified_gmt":"2025-12-12T05:42:39","slug":"ein-bergschueler-zu-gast-im-heilbad","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/horst-woick-archiv.de\/?p=157","title":{"rendered":"Ein Bergsch\u00fcler \u201ezu Gast\u201c im Heilbad"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"627\" height=\"429\" src=\"https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Friederike-um-1960.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-159\" srcset=\"https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Friederike-um-1960.jpg 627w, https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Friederike-um-1960-300x205.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 627px) 100vw, 627px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das Eisenerz-Bergwerk Friedrike mit den \u00dcbertage-Anlagen um 1960, Im Vordergrund die Abraum-Halde (heute Wildgehege) und das Bergschadensgebiet, heute Golfplatz.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Bergsch\u00fcler \u201ezu Gast\u201c im Heilbad<\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"191\" height=\"266\" src=\"https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/horst-bergwerk.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-160\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Horst Woick bei der Arbeit in der Grube Friederike.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Im Jahr 1956 war es soweit. Der Schulabschluss war geschafft und es sollte eine solide Ausbildung f\u00fcr eine lebenslange und gutdotierte Arbeitsaufgabe folgen. Aber wie, wenn der Vater durch viele Auslandsaufenthalte ohne Rentenanspr\u00fcche fr\u00fch verstorben ist und die Mutter kein Einkommen hat? Nur der Bergbau bot in dieser Zeit bei gutem Lohn eine kostenlose Ausbildung.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz harter Arbeit eine lukrative Gelegenheit! Drei Jahre Bergbau-Praktikum und der Hauerschein mit Schie\u00dfberechtigung waren die Voraussetzung f\u00fcr den zuk\u00fcnftigen Besuch einer deutschen Bergschule (Privatschulen der Deutschen Bergbau-Gesellschaften). Der Hauerschein und die Empfehlung des Bergbaubetriebes lagen vor und eine Bewerbung an die Berg- und H\u00fcttenschule in Clausthal konnte erfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr war aber dann erst einmal die Bergvorschule in Obernkirchen mit ihren t\u00e4glichen, dualen Arbeits- und Schul-Eins\u00e4tzen als versteckte Eignungs- und Belastbarkeitspr\u00fcfung zu besuchen.&nbsp; Die endg\u00fcltige Aufnahme in die Bergschule konnte man nur nach monatlichen positiven Eintragungen des Bergwerk-Betriebsf\u00fchrers im Pflicht-Tagebuch und einer Aufnahmepr\u00fcfung zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hat man diese H\u00fcrden absolviert, dann wurde der zuk\u00fcnftige Bergsch\u00fcler in Clausthal an der Bergschule eingeschrieben. Die duale Ausbildung geht weiter, einen Tag Bergwerksarbeit, am n\u00e4chsten Tag Schulunterricht in Clausthal. Die erste Freude legte sich schnell, wenn man erf\u00e4hrt, dass der Einsatz in einem Bergwerk im Harzvorland und in diesem Fall auf der Grube Fortuna in Liebenburg im Harzvorland erfolgen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeden zweiten Tag, einschlie\u00dflich dem Samstag, Arbeit im Bergwerk bzw. in die Bergschule mit dem Bus in den Oberharz, und am Wochenende m\u00f6chte man die entgegengesetzte Bahnfahrt zum Heimatort durchf\u00fchren. Schnell lernt man als nicht ortsans\u00e4ssiger Bergsch\u00fcler gegen\u00fcber dem Betriebsf\u00fchrer und Steigern den gravierenden Unterschied zu den einheimischen Bergsch\u00fclern und dabei auch Fu\u00dfballspielern im Ortsverein kennen. Die mussten ja am Wochenende f\u00fcr Liebenburg Fu\u00dfball spielen!<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"631\" height=\"390\" src=\"https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bild6-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-161\" srcset=\"https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bild6-2.jpg 631w, https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bild6-2-300x185.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 631px) 100vw, 631px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Seigeriss des Erzbergwerks Friederike um 1900 mit Erzlagerst\u00e4tten und mit Bergsch\u00e4den an der Oberfl\u00e4che von Bad Harzburg.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Auch der Unterschied von zu bezahlenden Ammongelit zur Beschaffung des kostenlosen Donarit ist f\u00fcr die ortsfremden Bergsch\u00fcler im aufzufahrenden \u201e \u00d6rtchen\u201c und die gezielten Arbeitseins\u00e4tze am Sonnabendnachmittag&nbsp; (Fortfall der Heimfahrt) sehr fraglich. Da kommt ein Aushang am schwarzen Brett in der Bergschule recht. Das Erzbergwerk Friederike in Bad Harzburg sucht Bergsch\u00fcler als Hauer mit Schie\u00dfgenehmigung zu einem beachtlichen Schichtlohn. Eine Probefahrt mit dem Motorrad zeigt hinter Oker ein wundersch\u00f6nes Panorama auf die Harzer Berge und Bad Harzburg. Hier kann man das sicher gut aushalten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bergingenieur Wilhelm Castendyck (Bergsch\u00fcler der Bergschule Siegen) entdeckt um 1858 die sediment\u00e4re, vorwiegend oolithische Eisenerzlagerst\u00e4tte (Jura \u2013 Lias) in der Gemeinde B\u00fcndheim im \u201eAmt Harzburg\u201c, dem heutigen Bad Harzburg. Mit dem Bremer Konsul H.H. Meier vom Norddeutschen Lloyd entwickelt er den Abbau und die Verh\u00fcttung dieser Erzlagerst\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Erzbergwerk Friederike wurde dann zusammen mit der Grube Hansa und der dazu geh\u00f6renden Mathildenh\u00fctte um 1861 in Betrieb genommen. Die Lagerst\u00e4tte bildet sich aus ca. acht einzelnen Lagen, wovon nur drei bis vier abbauw\u00fcrdig sind. Das macht die Gewinnung des Erzes durch Scheibenbruchbau mit Tonauff\u00fcllung im alten Mann sehr schwierig.&nbsp; Viele Fossilien, insbesondere gro\u00dfe Ammoniten, sind im Erzk\u00f6rper sehr auff\u00e4llig.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"565\" height=\"385\" src=\"https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bild15-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-163\" srcset=\"https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bild15-2.jpg 565w, https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bild15-2-300x204.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 565px) 100vw, 565px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ladearbeit geschah vor Ort in der Regel allein, nur zur Fotoaufnahme einmal drei Bergleute zusammen: Hauer (Orts\u00e4ltester) \u2013 Lehrhauer &#8211; Knappe.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Vorstellung beim Betriebsf\u00fchrer \u201eKarlchen\u201c Ecke, einem ehemaligen, rauen Bergsch\u00fcler der Bergschule Eisleben mit vielen Ecken und Kanten, verl\u00e4uft \u201evon Mann zu Mann\u201c noch recht friedlich.&nbsp; Ohne lange zu z\u00f6gern, erfolgt die Einteilung \u00fcber den Schichtsteiger zu einem Orts\u00e4ltesten mit einem der unterschiedlichen Abbaue.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleich die Probe aufs Exempel, Ladearbeit allein in der Abbaukammer, Firste festmachen und Erz laden und kippen. Zugleich die Vorgabe, mindestens 23 \u201eTeckel\u201c, eine feine Umschreibung des speziellen F\u00f6rderwagens mit Kippklappe im Abbau, und diese Leistung pro Schicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Schluss einige L\u00f6cher bohren, zusammen mit dem Orts\u00e4ltesten mit Donarit laden. Alle Sch\u00fcsse im Abbau fallen dann am Schichtende gemeinsam.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder Abbau hat zwischen vier und sechs Kumpel \u2013 Hauer, Lehrhauer und Bergarbeiter. Diese arbeiten je einzeln in drei bis vier Abbaukammern und ein bis zwei Streckenvortrieben. Das hei\u00dft, jeder Kumpel ist in seinem Arbeitsbereich allein auf sich gestellt. Das gemeinsame Gedinge (Akkord) betrifft den ganzen Abbau und es gibt f\u00fcr Streckenvortrieb, Ausbau bzw. Abbau extra, sowie der Ladet\u00e4tigkeit des Eisenerzes pro Wagen 1,00 DM zu verdienen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"437\" src=\"https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bild17-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-164\" srcset=\"https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bild17-2.jpg 600w, https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bild17-2-300x219.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Hauer Horst Woick beim Einf\u00fchren des Donarit-Sprengstoffes mit Z\u00fcnder und Z\u00fcndschnur.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Einige Arbeiten, wie zum Beispiel das lebensnotwendige Berauben und Festmachen der Firste (Decke) werden nicht bezahlt. Der Sprengstoff-Einkauf wird vom Gedinge abgezogen. Das am Monatsende gemeinsam verdiente Geld wird nach einem Verteilschl\u00fcssel unter den im Abbau beteiligten Kumpel aufgeteilt. Der Hauer mehr und der einfache Bergmann weniger.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei ca. 23 Teckel bekommt der Hauer etwa 18 bis 20 DM Schichtlohn, aber durch verschiedene Einfl\u00fcsse von Abbau zu Abbau ein unterschiedliches Gedinge. Bei strengen, arbeitssamen Orts\u00e4ltesten m\u00fcssen es mindesten 28 Teckel sein, der Schichtlohn war dann aber auch um die 23 DM\/Schicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Ort\u00e4ltesten nahmen aber nicht jeden Bergmann oder Bergsch\u00fcler mit. Wer keine 30 Teckel bringt, den bekommt der Schichtsteiger f\u00fcr andere Zwecke zur\u00fcck. Zugleich erh\u00e4lt der Bergsch\u00fcler eine schlechtere Note im Bergschul-Tagebuch!<\/p>\n\n\n\n<p>Da das Berauben der durch die Sprengungen gelockerten Firste, oft mit einer \u00d6ffnung zum \u201eAlten Mann\u201c, (unkontrollierte nat\u00fcrliche Tonverf\u00fcllung des durch den Erzabbau entstandenen Hohlraum) nicht bezahlt wurde, war der Effekt deshalb nur oberfl\u00e4chlich und letztlich immer sehr gef\u00e4hrlich. So musste man st\u00e4ndig das Hangende und den gef\u00e4hrlichen \u201eAlten Mann\u201c im Auge behalten. Man sieht, harte Arbeit, guter Lohn, allerdings st\u00e4ndige Gefahr von oben. Bei dem Leistungsdruck nicht f\u00fcr jederman geeignet.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Bad Harzburg w\u00e4re nicht Bad Harzburg, wenn es da nicht auch eine besondere, gute Seite gegen\u00fcber anderen Bergbau-Orten geben w\u00fcrde. Hotels, Pensionen, Kureinrichtungen, Tanzlokale, Gastst\u00e4tten, Lehranstalten, Kneipen und Bars an vielen Stellen. Dazu nette M\u00e4dchen von Einheimischen, Kurg\u00e4ste, von der Logesschule mit angehenden Gymnastiklehrerinnen und der Nitsch-Schule f\u00fcr \u00dcbersetzerinnen und anderen Ausbildungszweige.&nbsp; Da war also echt was los, f\u00fcr jeden Geschmack das Richtige.<\/p>\n\n\n\n<p>Was Untertage zu kurz kam, konnte \u00dcbertage je nach Bedarf nachgeholt werden. So sah also der Tagesplan eines Bergsch\u00fclers damals aus: Morgens Bergarbeit oder Bergschule, allerdings mit unterschiedlichen Abschlusszeiten. Im Prinzip aber doch am Sp\u00e4tnachmittag Abonnementessen in der H\u00e4rkestube, dann auf ein weiteres Bier zum Rebstock oder, oder.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"628\" height=\"387\" src=\"https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bild3-4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-165\" srcset=\"https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bild3-4.jpg 628w, https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bild3-4-300x185.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 628px) 100vw, 628px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das Erzbergwerk Friederike im Amt Harzburg um 1870 mit Belegschaft.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Wenn es dann langsam dunkel wurde, auf ins Cafe Raeck, ein bekanntes Tanzlokal f\u00fcr Jung und Alt. So manches Paar hat sich dort f\u00fcrs ganze Leben gefunden, dann war aber Schluss mit dem freien Bergsch\u00fclerleben. Nach all dem ging es noch auf einen Absacker in die Lilliputbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer Sp\u00e4tschicht ging es allerdings noch gegen 23 Uhr in die Ponydiele, wo fast nur Bergleute bis in die tiefe Nacht Bier und Schnaps zu Gen\u00fcge tranken. Die Bergleute konnten ja ausschlafen, die Bergsch\u00fcler ohne Schlaf zuerst zu einem gemeinsamen Fr\u00fchst\u00fcck bei den Ibbenb\u00fcrer-Bergsch\u00fclern in die B\u00e4ckerei Dietrich mit frischen Br\u00f6tchen und ihrem mitgebrachten Hausgeschlachteten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gleich weiter mit dem schuleigenen Bus zur Bergschule. Das war dann nicht unbedingt die beste Grundlage f\u00fcr einen guten Schultag, denn am Abend ging alles wieder von vorn los. Also \u201eGute Nacht\u201c bei jeder Gelegenheit\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Da bis 1957 noch die Engl\u00e4nder als Besatzungsmacht und deren Erholungssuchende in ihrem \u201eLeave Center\u201c in Bad Harzburg waren, ergab sich auch so manche sp\u00e4tabendliche Begegnung. So ging es mir, nach der Bergschule im Bergmanns-Kittel, beim Tagesabschluss in der Lilliputbar. Ich war an dem Abend dort der einzige Bergsch\u00fcler. Fast nur Engl\u00e4nder in ihren Khaki-Uniformen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum stand mein erstes Bier auf dem Tresen, kamen die \u201eTommys\u201c und hauten mir auf die Schulter: \u201eDu SS\u201c \u2013 Schl\u00e4gel und Eisen auf dem schwarzen Bergmanns-Kittel war f\u00fcr Briten eine klare Sache. Schon ging die Pr\u00fcgelei los. Einer gegen alle!<\/p>\n\n\n\n<p>Nur die Tommys hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der Mann hinter der Theke war der Geliebte der Bardame und einer meiner Kumpel im Bergwerk, Spitzname \u201ePaller K\u00f6nig\u201c, ein Kraftprotz, wie aus dem Bilderbuch. Ratzfatz, einige Engl\u00e4nder flogen der Reihe nach aus der Kneipe und es war Ruhe.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"479\" height=\"317\" src=\"https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Hochzeit.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-166\" srcset=\"https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Hochzeit.jpg 479w, https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Hochzeit-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 479px) 100vw, 479px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Nach Polterabend und kirchlicher Trauung in Bergmannskittel wurde in der Scheune mit den Harzburgern und vor allem mit den Bergsch\u00fclern kr\u00e4ftig gefeiert!<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das man auf dem Bahnsteig des Bad Harzburger Bahnhofes von den Kurg\u00e4sten als Eisenbahner angesprochen und um Auskunft gebeten wurde, war schon beinahe normal. Ich hatte zwischenzeitlich die nette und hilfsbereite Harzburgerin Helga beim Tanz im Cafe Raeck kennengelernt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit ihrer herzlichen Familie mit weiteren T\u00f6chtern und Landwirtschaft als Nebent\u00e4tigkeit konnte man es gut ertragen. J\u00e4hrliche Schlachtefeste und eigener Gem\u00fcse- und Kartoffelanbau sorgten f\u00fcr eine bis dahin nicht gekannte Kalorien-Zufuhr.<\/p>\n\n\n\n<p>Kein Wunder, es endete mit einer urigen, bergm\u00e4nnischen Hochzeitsfeier in der Scheune. Der trauende Pfarrer kannte auch die bergm\u00e4nnischen Gefahren und verwendete den Trauspruch: \u201eWenn der Horst t\u00e4glich ins tiefe, schwarze Loch einfahren muss, soll sich Helga mit Gottvertrauen und Gl\u00fcck auf alles andere verlassen \u2013 Gl\u00fcckauf!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich lag von nun an \u201ean der Kette\u201c und holte nach dem Bergschulbesuch im Kittel meine Frau jeden Nachmittag von der Arbeit im Rathaus ab. Die Mitarbeiter hingen an den Fenstern, um diese Neuigkeit zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bad Harzburg hat aber auch ein bekanntes Gest\u00fct mit guten Deckhengsten und uniformierte Pferdepfleger.&nbsp; So kam es, wie es kommen musste. Als Gesp\u00f6tt ihrer Kollegen wurde ich wegen der \u00e4hnlichen Uniform zum \u201eCeller Deckhengstpfleger\u201c ernannt, der angeblich auf dem Bad Harzburger Vollgest\u00fct arbeitet.&nbsp; Das war zu viel, den Bergsch\u00fcler-Kittel habe ich deshalb dann im Stadtgebiet tunlichst zu Hause gelassen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"531\" height=\"344\" src=\"https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/friederike-aktuell.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-167\" srcset=\"https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/friederike-aktuell.jpg 531w, https:\/\/horst-woick-archiv.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/friederike-aktuell-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 531px) 100vw, 531px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das Bergwerksgel\u00e4nde heute, die \u00dcbertage-Anlagen sind ein Auto-Zulieferbetrieb, das Bergschadens-Gel\u00e4nde in der gr\u00f6\u00dften Senke ein Wildgehege mit einem Teich und Wanderwegen, dazu wegen der H\u00f6henunterschiede ein anspruchsvoller 18-Loch-Golfplatz. Im Hintergrund die Kurbereich mit Hotels, Pensionen und Kliniken, der Gro\u00dfkabinen-Bergseilbahn und dem Thermal-Solebad.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Studium wurde 1959 als Steiger und sp\u00e4terer Bergbauingenieur beendet. Das Erz-Bergwerk Friederike stellte 1963 den F\u00f6rderbetrieb ein. Eine \u00fcber 100-j\u00e4hrige Bergbau-Geschichte in Bad Harzburg wurde damit beendet. Das Industrie-Gel\u00e4nde inmitten einer reinen Wohnsiedlung wurde f\u00fcr nachfolgende Betriebe ausgeschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Bad Harzburg lie\u00df mich nicht mehr los. Nach kurzer Zeit als Steiger auf dem Kalibergwerk Hansa in Empelde\/Hannover wurde in der Kurstadt ein Tiefbau-Ingenieur f\u00fcr die Stadtverwaltung gesucht. Der damalige Stadtdirektor stellte bei der Auswahl und Einstellung kurz und b\u00fcndig fest: \u201eTiefer als jemand, der Bad Harzburg auch als Bergmann von Untertage aus so gut kennt, muss danach auch ein guter Tiefbauingenieur sein\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Also wurde aus dem fr\u00fcheren Clausthaler Bergsch\u00fcler und Steiger bzw. Bergingenieur dann erst einmal f\u00fcr 20 Jahre ein st\u00e4dtischer Tiefbau-Ingenieur in Bad Harzburg. Dass dieser danach sp\u00e4ter auch noch f\u00fcr weitere viele Jahre der Kurdirektor und vieles andere mehr davon in diesem sch\u00f6nen Kurort wurde, ist eine ganz andere Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-medium-font-size\"><strong>Horst Woick 2019<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Bergsch\u00fcler \u201ezu Gast\u201c im Heilbad Im Jahr 1956 war es soweit. Der Schulabschluss war geschafft und es sollte eine solide Ausbildung f\u00fcr eine lebenslange und gutdotierte Arbeitsaufgabe folgen. 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